» Kinoplagen Folge 1: Die Zuspätkommer
Heute, Harry Potter Vorpremiere, weiss ja nun fast jeder. Muss ich nicht noch mal erwähnen
Bei einem solchen Film ist es vollkommen klar, dass das Kino voll sein wird. Bis oben hin. Vorallem natürlich unser Kleinstadt-Kino. Unser Kino ist toll. Ich kenne kein besseres Kino. Der Eintritt ist relativ günstig. Nachmittags 4€, Abends 6€. Mittwochs, am Kinotag 3€, bzw. 4,50€. Filme mit Überlänge sind natürlich teurer. Dafür gibt es aber keine Platzreservierungen und freie Platzwahl. Das bedeutet: Um einen anständigen Platz zu kriegen, wenn das Kino voll wird muss man pünktlich da sein, dann kann man sich eben den Besten aussuchen. Ist ganz simpel, weiss hier jeder und man ist ja wohl in der Lage einzuschätzen, wie voll ein Kino sein wird. Hier ist das eben nunmal so und ich finde dieses System toll. Da hab ich wenigstens noch die Möglichkeit mich umzusetzen, wenns sein muss.
Wir werden heute Abend also mindestens eine Stunde vor Beginn um 19:45Uhr da sein und ich weiss jetzt schon ganz genau, was mich erwartet. Wir werden irgendeinen schicken Platz in der Mitte am Gang kriegen und dabei zusehen, wie sich der Saal füllt und somit auch die leeren Plätze, bis es kurz vor Beginn der Werbung kaum noch mehr als drei freie Plätze nebeneinander geben wird, wenn überhaupt.
Dann beginnt endlich die Werbung, bzw die Trailershow und gerade, als gegen 20 Uhr ein interessanter Trailer anfängt, geht die Tür auf und da steht sie: Die unvermeidliche Gruppe von 6 bis 15 Leuten. Allesamt vollbepackt mit Popcorn und Cola und gucken dumm: “Oh is das voooll hier. Wo sollen wir denn sitzen?” Da stehen die dann erstmal eine Minute rum , die vordere, fast leere Reihe komplett ignorierend und gucken in die Runde, als ob sie darauf warten würden, dass 6 bis 15 Menschen aufspringen um denen ihre Plätze anzubieten. Passiert natürlich nicht. Und dann setzen sie sich in Bewegung. Erstmal in den Mittelgang kommen, aber anstatt vorne lang zu gehen, quetschen die sich allesamt durch eine vollbesetzte Reihe, vorzugsweise durch unsere Reihe, oder durch die vor uns und werfen tausend Sachen um. Dann stehen sie im Mittelgang, sind schon das Hassobjekt aller im ganzen Saal und fangen dann an sich zu streiten:
“Du wolltest später losfahren” – “Du wolltest die Werbung nicht sehen” – “Nur, weil du zu spät gekommen bist” blablabla.
Irgendwann entscheiden sie sich, sich zu trennen. Dann fängt das wieder an: “Ich will aber neben Lisa sitzen” – “Nein ich” – “Ich will nicht neben Lennard sitzen” mimimiblablabla. Zwischendurch klingelt noch irgendeines der Handies von den 6 bis 15 Freunden, irgendein dämlicher “Ich fick deine Mama”-Klingelton von Sido und Konsorten. Dauert etwas, bis der Angeklingelte sein Handy findet: “Yooo. Alles kla, Altah? Weisscht, isch kann gerad nisch, nä. Steh hier voll in Kino, nä? Alles voll, weischt? Ich call dir nachher back, Digga, nä? Yo, hauste, nä?”
Langsam kriegt also jeder in dem riesen Saal nervöse Wutzuckungen, spätestens, wenn die sich dann endlich entschieden haben und sich die Hälfte von den 6 bis 15 Leuten wieder zurück durch volle Reihen in die anderen Gänge wühlen, natürlich wieder durch unsere Reihe, oder durch die Reihe vor uns wieder alles umwerfend, ohne sich zu entschuldigen. Ist nun aber auch total egal, weil der tolle, interessante Trailer schon lange vorbei ist und man davon nix mitbekommen hat. Und dann kommt sie: Die unvermeindliche Frage, pappig, von der rechten Seite: “Ey, wenn ihr rückt, nä, dann können wir fünf hier, nä, zusammensitzen, verstehst?”
Klar, versteh ich. Voll und ganz. “Vorne sind noch Plätze frei” sag ich dann.
“Nä, weisscht. Da kann man ja voll nix sehn, nä? Macht ihr nun Platz?”
Ah, ja, klar, verstehe ich auch. Vorne sitzen ist scheiße. Naja, dann bleibt mir wohl nichts anderes übrig. Also antworte ich: “Ich rück für euch keinen Millimeter. Kommt gefälligst pünktlich…nä?”
Ich hasse sie, und ich werde sie immer hassen. Die “Ich geh mit meinen 30 Homies später ins Kino, damit wir die Werbung nicht sehen müssen”-Idioten und ich werde niemals in meinem Leben platz für sie machen. Niemals.





